Viele Kinder wünschen sich sehnlichst einen Hund, eine Katze oder ein Kleintier.

Es muss aber kein Tier vom Züchter oder aus der Zoohandlung sein oder auch nicht immer ein Welpe oder ein Katzenkind, denn in den Tierheim warten unzählige, nicht mehr gewollte Tiere auf eine zweite Chance.

Natürlich haben viele Tierheimschützlinge bereits eine mehr oder weniger dramatische Vorgeschichte. Ein langsames gegenseitiges Kennenlernen des neuen Familienmitglieds ist deshalb oberstes Gebot!

Besonders für Familien mit Kindern sind ein paar Vorüberlegungen wichtig, bevor sie einem Tier aus zweiter Hand ein neues Zuhause schenken. Nicht jedes Tier passt in eine meistens recht turbulente Familie mit kleineren Kindern.

Grundsätzlich sollte ein Tier nicht nach der Optik oder der momentanen Mode, sondern nach seinem Wesen und seinem Verhalten beurteilt werden. Viele Tiere landen im Tierheim, weil sich ihre vorherigen Besitzer nicht ausreichend mit ihren Bedürfnissen oder rassespezifischen Eigenschaften beschäftigt hatten und sehr oft völlig überfordert waren.

Ein Bordercollie z.B. ist ein sehr anspruchsvolles Arbeitstier, das unbedingt ausgelastet werden muss und nicht einfach so mitläuft. Ein Jack Russell Terrier ist lebhaft, mutig und verwegen und neigt bei Inkonsequenz zur Dominanz.

Bei unterforderten, nicht ausreichend körperlich und geistig beschäftigten Hunden sind Verhaltensauffälligkeiten vorprogrammiert, die dann zur Abgabe führen und die oft sehr mühevoll und zeitintensiv korrigiert werden müssen.

Welpen sind in einem lebhaften Haushalt mit kleineren Kindern oft überfordert, weil sie auch immer wieder Ruhephasen brauchen, um nicht nervös und schreckhaft zu werden. Außerdem fordert die Erziehung eines Welpen sehr viel Zeit, Geduld und Einsatz, deshalb sollten Eltern gut überlegen, ob sie „ein Kind mehr“ verkraften können und wollen.

Im Vorfeld sollten die Eltern ihren Kindern erklären, dass die Tierheimtiere meistens schon einmal verlassen wurden. Viele von ihnen brauchen deshalb ein wenig Zeit und Geduld, bevor sie sich neuen Menschen anvertrauen.

Kindern müssen also gelernt haben, Rücksicht zu nehmen und behutsam vorzugehen, damit sie den Hund oder die Katze keinesfalls bedrängen oder mit ihrer Zuneigung überfrachten.

Eltern sollten sich darüber im Klaren sein, dass Kinder geheime Miterzieher sind, die aber noch keine konsequente Erziehungsarbeit leisten können. Ein Hund erkennt sehr schnell, dass er manchmal etwas darf, manchmal aber nicht. Diese Verwirrung führt zu Unsicherheit und in der Folge zu einem sehr ungefestigten Gehorsam. Hunde betrachten Kinder als willkommene Spielkameraden, aber nicht als Rudelchef, sondern „nur“ als Ihresgleichen.

Deshalb sollten Kinder dem Hund grundsätzlich keine Befehle geben, sondern tatsächlich nur mit dem Tier spielen. Die Erziehung sollte ausschließlich in den Händen der Erwachsenen liegen.

Viele Katzen fühlen sich in einem Haushalt mit lebhaften Kindern gar nicht wohl und ziehen sich zurück, weil sie es ruhiger mögen. Besonders Katzenbabys haben oft große Angst vor Kindern, verkriechen oder verstecken sich, was für Kinder verständlicherweise enttäuschend und unverständlich ist.

Es gibt aber durchaus auch absolut kinderliebe Katzen mit hoher Frustrationstoleranz und guter Stressresistenz, die begeistert auch auf kleinere Kinder zugehen und ausgiebig beschmust werden möchten. Diese Katzen oder Kater gilt es auszuwählen, auch wenn die Fellfarbe vielleicht nicht der Wunschvorstellung entspricht oder das Tier schon erwachsen ist und das unwiderstehliche Kindchenschema bereits verloren hat. Faustregel: Je kleiner die Kinder, desto robuster sollte die Katze sein!

Dass die Eltern grundsätzlich die volle Verantwortung für das neue Familienmitglied übernehmen, dürfte selbstverständlich sein.

Das gilt auch für Kleintiere. Die meisten der kleinen Nager sind ausgesprochen sozial und müssen mindestens zu zweit gehalten werden, denn Einzelhaltung ist Tierquälerei!

Eltern müssen bedenken, dass Kaninchen und Meerschweinchen eine recht hohe Lebenserwartung haben und sie für die artgerechte Pflege und Unterbringung ein Tierleben lang  die Verantwortung tragen. Wenn das kindliche Interesse erlahmt, fristen aber leider viele Kaninchen und Meerschweinchen ein trauriges Dasein in tristen Kellerräumen, eingepfercht in viel zu kleinen Käfigen. Abwechslung bringt nur noch die Fütterung.

In der Regel können die Mitarbeiter/Innen der Tierschutzvereine detaillierte Auskunft über die einzelnen Tiere geben. Interessenten sollten also grundsätzlich gesprächsbereit und ggf. auch kompromissfähig sein und die Empfehlungen der Tierschützer ernst nehmen. Jedes Tier ist ein Individuum.

Niemand sollte sich daher abgewiesen fühlen, wenn im Moment gerade kein kindertaugliches Tier im Tierheim betreut wird, denn nur mit dem passenden Hausgenossen ist ein harmonisches und für alle bereicherndes Zusammenleben möglich. Die Anschaffung eines Tieres sollte deshalb niemals eine spontane und übereilte Entscheidung sein.

Die meisten Tierheimtiere werden gefunden, über ihr Vorleben ist in diesem Fall meist nichts oder nur sehr wenig bekannt. Einige kommen aber auch aus Familien und wurden z.B. aus Allergiegründen oder wegen Umzug oder Todesfall abgegeben. Diese Tiere kennen bereits den Familienalltag und fügen sich zumeist problemlos in eine neue Umgebung ein.

Es macht also Sinn, einem solchen Tier ein neues Zuhause zu schenken und Kindern auf diese Weise die wunderbare Erfahrung zu ermöglichen, gemeinsam mit Tieren aufzuwachsen.

Maria Toman (Tierschutz der Tat e.V./ Öffentlichkeitsarbeit)